Von Sushi zu Do

Schon ein paar Tage irrt mir eine Frage im Kopf herum. Im Buch von meinem Lieblingsexperten steht u.A. folgender Satz:

"Doch die Übung im Zazen kann dem kata eine neue Dimension eröffnen. [...] Das kata muss durch die Übung mit dem Geist verschmelzen, desto stärker der Geist, desto stärker das kata."

Der Inhalt der Sätze ist merkwürdiger Weise weniger etwas, an dem meine Gedanken haften geblieben sind, in diesem Fall war es die Form selbst. Das hat eine gewisse Doppeldeutigkeit, weil es ja inhaltlich widerum im kata - um Form - geht.

"dem kata, das kata"?
Klang mir im Kopf grammatisch inkorrekt, deshalb haben mich die Zeilen verfolgt. Ich schreibe immer die kata, eben weil die Form, nicht das Form, dem Form. Weil incorrectness in einem willentlich gesetzten Text - wie beispielsweise einem Buch - durchaus Mittel zum Ausdruck sein kann, lohnte sich für mich der zweite geistige Blick durchaus.

Heute mitten auf der Auffahrt zur A45 ist mir meine persönliche Antwort eingefallen, nach dem die dusselige und für die Außenwelt unerheblich erscheinende Frage nun tagelang durch mein System gegeistert ist. Vor mir fährt ein Chinabringdienst total langsam auf die Autobahn auf, ich denke mir, der findet das Gaspedal nicht oder so. Ich fahre ein bisschen dicht auf, weil auf der A45 ein LKW nahe kommt und ich keine Lust habe, den im Kofferraum zu haben. Da lese ich auf dem Chinabringdienstauto, daß die eine große Auswahl an Sushis haben. Ja so stand es drauf: Sushis. Sushi ist doch schon der Plural, quasi Singular und Plural in einem denke ich mir, gefolgt von dem Gedanken, daß Sushi in einem Chinabringdienst auch nicht so recht passt. In dem Moment folgt eine weitere Antwort von innen, nämlich jene, daß derjenige, der diesen Druck genehmigt hat, das japanische Wort Sushi genommen hat und in unsere westliche Grammatik mit einem chicen wie überflüssigen, plural-produzierendem 's' zwangsintegriert hat.

Das Denkkonzept ist es, mein eigenes westliches Denkkonzept, was überhaupt zu der Frage des "der, die, das kata" geführt hat. Es gibt ja nicht nur keinen Plural im Japanischen - die Zuweisung von Geschlechtern für Sachen gibt es dort gar nicht, wie bei uns die Tasse, der Beutel oder eben die Form. Das wird ja überhaupt nicht unterschieden, ein Japaner könnte zunächst gar nicht verstehen, wie so eine Tasse zu einem Geschlecht kommt.

Daraus folgt, daß ich mit jedem Artikel, den ich vor kata setze, automatisch richtig liege - und gleichermaßen falsch. Für unseren deutschen Sprachgebrauch macht es also überhaupt keinen Sinn, mir über das Geschlecht von kata und dem daraus resultierenden, korrekt gewählten Artikel Gedanken zu machen. Der kata, die kata, das kata. Alles richtig. Alles falsch. Einer kata ein Geschlecht verpassen zu wollen ist also ein rein westliches Problem. Ich lerne durch diese Erkenntnis vor allem, wie verschleiert die Sicht auf die Welt durch den eigenen Blickwinkel wird, wie unauffällig sich das eigene Wertsystem überträgt und Dinge bewertet, die damit nicht bewertbar sind.

Ich erinnere mich durch Sushis auch noch mal an meinen Artikel Do you speak japan und diesen Satz "In my beginning studies of the basic principles of japanese language the first thing I found out is that they have no plural form. Talking about bottles or trees this is not that impressing as it is when it comes to immaterial words as truth, integrity, opinion or candor."

Heute möchte ich mir dazu noch mal eine andere Frage stellen: Wenn es im Japanischen keinen Plural gibt sondern die japanische Denkweise grundsätzlich eins oder mehrere hinter einem Wort gestattet, wie kommt es dann, daß immer von dem WEG gesprochen wird, obwohl ein fehlender Plural und die japanische Denkweise dazu genauso einen kategorischen Plural bedeuten können. Also im Grunde kann Do genauso WEGE bedeuten. Und dieses kleine extra E , was in der deutschen Sprache aus einem Weg plötzlich viele macht, erscheint mir nicht gerade unwichtig wenn ich dran denke, was ich beispielsweise vom Kuro Obi Film über Do gelernt habe.

Durch die verschiedenen Konflikte, denen alle drei Schüler in dem Film ausgesetzt waren und die vielen grundsätzlichen Fragen, die mir entstanden sind, habe ich vor allem eins erkannt: wie schwierig es ist, eine klare Antwort zu geben wie „ja, genauo so ist das richtig, so ist das nach den Regeln, so ist das gut oder ja, das ist Do.“ Vielmehr ist es eine ständige Auseinandersetzung mit den verschiedenen Möglichkeiten,Versuchungen und Härten die das Leben bietet und teilweise fordert. Nichts ist nur schwarz oder nur weiß, es gibt kein Licht ohne Schatten und es gibt keinen Menschen ohne Fehler. Letztenendes bleibt der Zweifel, wirklich auf dem richtigen Weg zu sein, ein Teil von allem und das macht die fortwährende Beschäftigung mit sich selbst, dem Leben und der Welt für mich zu dem, was ich mit Do assoziiere.


Eben diese Erkenntnis aus dem Film war doch, es gibt ihn nicht, DEN Weg. Es gibt EINEN Weg, einen für jeden, und jeder Weg ist anders weil jeder Mensch anders ist. DO erscheint mir also kein feststehendes Konzept zu sein sondern sich ständig zu entwickeln, mit und in dem Menschen, der ihn anstrebt und geprägt von dem, was diesen Menschen umgibt. Etwas erst gar nicht zu haben - wie beispielsweise eine Pluralform - öffnet ganz andere Denkmöglichkeiten.

Genau der kategorische Plural könnte es sein, der DO eben so schwierig macht weil ständig alle Möglichkeiten da sind, viele WEGe offen sind und es einem selbst obliegt, die Balance zu halten, richtig mit den Dingen umzugehen, die im eigenen Leben passieren, sich gut und richtig zu verhalten - eben genau weil es kein Rezept gibt, das allgemeingültig für jeden funktioniert und immer richtig ist.

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Karate ist ein Weg zu leben. Als solches bildet es einen Charakter, der ein vollkommen anderer ist als der, der im Sport entstehen kann. Karate übt man weder zum Spaß noch für einen Preis. Yabu Kentsu, Okinawa-Te Meister (1863 - 1937) Itosu-Schüler

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