Mensch werden
Am habe ich geschrieben, ich habe über das Mensch werden nachgedacht.
Jetzt habe ich in einer langen Liegung in der Badewanne endlich die Zeit und Muße gefunden, die "Menschwerdung" im Text zu finden. Eigentlich hätte ich es mir gleichen denken können, wenn mich "Nebensätze" in Texten aufhalten, dann stammen die aus Kampfkunst als Lebensweg und höchstwahrscheinlich von Fritz Nöpel.
Es folgt ein kurzer Auszug aus der Passage, in der Herr Nöpel erläutert, warum jemand mit dem 1. Dan kein Dojo leiten sollte und dann erklärt, ab wann sich erst auf dem Weg bewegt wird, was nach der Auffassung Herrn Nöpel der 2. Dan ist.
"Da fange ich an mit ernsthafter Charakterschulung. Mein Charakter verwandelt sich jetzt endgültig zu dem, was ich "Mensch werden" nenne.
Die Formulierung "Menschwerden" ist irgendwie in meinem Kopf kleben geblieben, ähnlich wie Wasser(r)EIS *hihi* und hat mich monatelang immer mal wieder beschäftigt.
Wenn Du diese Textstelle oben liest, welche Frage wirft Sie bei Dir auf?
Hm, vielleicht ist Dir keine Frage eingefallen, oder eine ganz andere als mir (--> mail mir *neugier*). Ich fragte mich durch diese Textstelle: was ist eigentlich ein Mensch?
Wiki hat darauf eine sehr biologisch lautende Antwort: "Der Mensch (Homo sapiens) ist innerhalb der biologischen Systematik ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorrhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). "
Trockennasenaffe - das klingt doch wie eine Beleidigung, oder nicht? Die biologische Einordnung ist ohne Zweifel interessant aber nicht sehr hilfreich, sie gibt nicht die Antwort sondern konkretisiert die Frage: welchen Charakter hat ein Mensch? Also im Grunde, wie muss ich mich verändern, wenn ich ein Mensch werden wollte abgesehen von meinem biologischen Status? Kann man in diesem Sinne überhaupt irgendwann ein Mensch werden oder ist es das Streben selbst, was zum Menschen in diesem Sinne macht und das Mensch-werden zum Do?
Oder ordne mal aus Spaß Deine Gedanken mit der Frage: was ist menschlich? Was ist für Dich menschlich? Jeder einzelne Herzschlag verändert doch da die Antwort, je nach Perspektive, je nach dem was der Moment gerade erfordert kann die gleiche Handlung menschlich und unmenschlich sein. Daran sehe ich, wie gut diese Metapher von Herrn Nöpel funktioniert, fast immer wenn ich etwas über dieses Do gelernt oder geschrieben habe, war dies Teil des Fazits.
Das tote Reh
Da fällt mir eine Geschichte ein, etwas Erlebtes. Ich war ungefähr Zehn und bin mit Onkel Robert im Winter zum Schuhekaufen gefahren. Wir fuhren über eisige Landstraßen durch ein Waldgebiet, es dämmerte bereits da sprang ein Reh auf die Straße, direkt vor dem Auto. Bei ungefähr 70 km/h krachte es ganz schön - das Reh wurde an den Straßenrand geschleudert. Ich war total aufgelöst, ich erinnere mich noch. Onkel Robert ist ausgestiegen, da Reh machte unbeschreiblich jammernde Geräusche, das Auto hatte nur ein paar Dellen. Er guckte nach Dem Reh , ich stieg dann auch aus und näherte mich an das Reh an. Es hat mir so leid getan, ich hätte mich am liebsten hingesetzt und seinen Kopf festgehalten und ihm gesagt "Stirb nicht, wird ja gleich alles wieder gut." Ich habe mich nicht so nah rangetraut und das Reh hat auch ganz schön gestunken. Onkel Robert hat mir dann erklärt, daß das Reh schlimme Schmerzen hat und er jetzt machen wird, daß es keine Schmerzen mehr hat. Er hat dem Reh dann den Kopf umgedreht, es hat einmal geknackt und das Reh war tot. Dem Reh gegenüber war das fair. Onkel Robert hat eine große Landwirtschaft und ist hauptberuflich Schlachter - für ihn war es das natürlichste von der Welt, die Qualen des Tieres schnell zu beenden. Wenn Du 10 Jahre alt bist und die riesigengroßen Augen des Rehs siehst und es jammern hörst, dann kommt Dir trotzdem nicht in den Sinn, daß es total richtig so ist. Wie gesagt "...stirb nicht...!" . Ich war noch sehr lange sauer auf Onkel Robert weil ich das Gefühl hatte, er hat das Reh ermordet.
Bei aller Schwierigkeit der Definition von Menschlichkeit gibt es meiner Meinung nach eine Konstante in der Menschlichkeit und das ist jener, der sie in sich trägt, jener der Mensch ist.
Ist Dir was aufgefallen? Ich habe keine Antwort gefunden auf meine Frage, was den Mensch zum Menschen macht, keine Antwort die sich schreiben lässt und dennoch ist da soetwas wie eine Antwort in mir drin. Wie soll ich das beschreiben? Es ist soetwas wie eine tiefe Zufriedenheit mit der Erkenntnis, daß ich keine konkrete Antwort finden kann die eine längere Gültigkeit hat als ein oder zwei Herzschläge.
Für mich bleibt allerdings noch eine andere Fragen offen: wie ist Herr Nöpel darauf gekommen, den Weg als Mensch werden zu bezeichnen? War es ein Zufall in der Wahl der Metapher oder liegt dem eine Absicht inne, soetwas wie eine versteckte Botschaft? Na jedenfalls ist es eine sehr interessante Grundlage für philosophische Fragerunden in meinem Kopf :-)
Jetzt habe ich in einer langen Liegung in der Badewanne endlich die Zeit und Muße gefunden, die "Menschwerdung" im Text zu finden. Eigentlich hätte ich es mir gleichen denken können, wenn mich "Nebensätze" in Texten aufhalten, dann stammen die aus Kampfkunst als Lebensweg und höchstwahrscheinlich von Fritz Nöpel.
Es folgt ein kurzer Auszug aus der Passage, in der Herr Nöpel erläutert, warum jemand mit dem 1. Dan kein Dojo leiten sollte und dann erklärt, ab wann sich erst auf dem Weg bewegt wird, was nach der Auffassung Herrn Nöpel der 2. Dan ist.
"Da fange ich an mit ernsthafter Charakterschulung. Mein Charakter verwandelt sich jetzt endgültig zu dem, was ich "Mensch werden" nenne.
Die Formulierung "Menschwerden" ist irgendwie in meinem Kopf kleben geblieben, ähnlich wie Wasser(r)EIS *hihi* und hat mich monatelang immer mal wieder beschäftigt.
Wenn Du diese Textstelle oben liest, welche Frage wirft Sie bei Dir auf?
Hm, vielleicht ist Dir keine Frage eingefallen, oder eine ganz andere als mir (--> mail mir *neugier*). Ich fragte mich durch diese Textstelle: was ist eigentlich ein Mensch?
Wiki hat darauf eine sehr biologisch lautende Antwort: "Der Mensch (Homo sapiens) ist innerhalb der biologischen Systematik ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorrhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae). "
Trockennasenaffe - das klingt doch wie eine Beleidigung, oder nicht? Die biologische Einordnung ist ohne Zweifel interessant aber nicht sehr hilfreich, sie gibt nicht die Antwort sondern konkretisiert die Frage: welchen Charakter hat ein Mensch? Also im Grunde, wie muss ich mich verändern, wenn ich ein Mensch werden wollte abgesehen von meinem biologischen Status? Kann man in diesem Sinne überhaupt irgendwann ein Mensch werden oder ist es das Streben selbst, was zum Menschen in diesem Sinne macht und das Mensch-werden zum Do?
Oder ordne mal aus Spaß Deine Gedanken mit der Frage: was ist menschlich? Was ist für Dich menschlich? Jeder einzelne Herzschlag verändert doch da die Antwort, je nach Perspektive, je nach dem was der Moment gerade erfordert kann die gleiche Handlung menschlich und unmenschlich sein. Daran sehe ich, wie gut diese Metapher von Herrn Nöpel funktioniert, fast immer wenn ich etwas über dieses Do gelernt oder geschrieben habe, war dies Teil des Fazits.
Das tote Reh
Da fällt mir eine Geschichte ein, etwas Erlebtes. Ich war ungefähr Zehn und bin mit Onkel Robert im Winter zum Schuhekaufen gefahren. Wir fuhren über eisige Landstraßen durch ein Waldgebiet, es dämmerte bereits da sprang ein Reh auf die Straße, direkt vor dem Auto. Bei ungefähr 70 km/h krachte es ganz schön - das Reh wurde an den Straßenrand geschleudert. Ich war total aufgelöst, ich erinnere mich noch. Onkel Robert ist ausgestiegen, da Reh machte unbeschreiblich jammernde Geräusche, das Auto hatte nur ein paar Dellen. Er guckte nach Dem Reh , ich stieg dann auch aus und näherte mich an das Reh an. Es hat mir so leid getan, ich hätte mich am liebsten hingesetzt und seinen Kopf festgehalten und ihm gesagt "Stirb nicht, wird ja gleich alles wieder gut." Ich habe mich nicht so nah rangetraut und das Reh hat auch ganz schön gestunken. Onkel Robert hat mir dann erklärt, daß das Reh schlimme Schmerzen hat und er jetzt machen wird, daß es keine Schmerzen mehr hat. Er hat dem Reh dann den Kopf umgedreht, es hat einmal geknackt und das Reh war tot. Dem Reh gegenüber war das fair. Onkel Robert hat eine große Landwirtschaft und ist hauptberuflich Schlachter - für ihn war es das natürlichste von der Welt, die Qualen des Tieres schnell zu beenden. Wenn Du 10 Jahre alt bist und die riesigengroßen Augen des Rehs siehst und es jammern hörst, dann kommt Dir trotzdem nicht in den Sinn, daß es total richtig so ist. Wie gesagt "...stirb nicht...!" . Ich war noch sehr lange sauer auf Onkel Robert weil ich das Gefühl hatte, er hat das Reh ermordet.
Bei aller Schwierigkeit der Definition von Menschlichkeit gibt es meiner Meinung nach eine Konstante in der Menschlichkeit und das ist jener, der sie in sich trägt, jener der Mensch ist.
Ist Dir was aufgefallen? Ich habe keine Antwort gefunden auf meine Frage, was den Mensch zum Menschen macht, keine Antwort die sich schreiben lässt und dennoch ist da soetwas wie eine Antwort in mir drin. Wie soll ich das beschreiben? Es ist soetwas wie eine tiefe Zufriedenheit mit der Erkenntnis, daß ich keine konkrete Antwort finden kann die eine längere Gültigkeit hat als ein oder zwei Herzschläge.
Für mich bleibt allerdings noch eine andere Fragen offen: wie ist Herr Nöpel darauf gekommen, den Weg als Mensch werden zu bezeichnen? War es ein Zufall in der Wahl der Metapher oder liegt dem eine Absicht inne, soetwas wie eine versteckte Botschaft? Na jedenfalls ist es eine sehr interessante Grundlage für philosophische Fragerunden in meinem Kopf :-)
Kiai - 1. Jan, 11:14

